PIWI-Weine

Das Schweizer Weinatelier fördert den Anbau von besonders widerstandsfähigen Rebsorten. Diese kommen mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln aus und können deshalb viel naturnaher bewirtschaftet werden.

PIWI-Rebsorten

Pilzwiderstandsfähige Reben mit natürlichen Abwehrmechanismen

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Die sogenannten PIWI-Sorten – kurz für pilzwiderstandsfähige Sorten - beruhen auf Kreuzungen von bekannten europäischen Sorten mit pilzresistenten aber weniger aromatischen amerikanischen Reben. PIWI-Sorten sind nichts Neues. Bereits in den 1950er-Jahren waren in Frankreich ein Drittel aller Rebberge mit diesen robusten Sorten bepflanzt, nachdem der falsche Mehltau aus Übersee eingeschleppt worden war.

Aromatik

Lange Zeit hatten die entsprechenden Weine aufgrund ihrer Aromatik jedoch einen schlechten Ruf. Durch jahrelanges Experimentieren und Weiterentwickeln stehen heute Neuzüchtungen von PIWI-Reben am Start, die den Vergleich mit herkömmlichen Rebsorten in Bezug auf die Aromatik nicht zu scheuen brauchen. Im Gegenteil: Sie bringen eine ganz neue Aromenvielfalt ins Glas.

Widerstandsfähigkeit

PIWI-Rebsorten sind besonders widerstandsfähig gegen Erkrankungen. Ihr natürlicher Abwehrmechanismus beruht auf den Eigenschaften bestimmter Wildrebenarten, welche über Generationen hinweg in die PIWI-Sorten eingekreuzt wurden. So verschliessen sich ihre Spaltöffnungen und ihre Zellwände verstärken sich, um das Eindringen der Pilze wie zum Beispiel beim echten und falschen Mehltau zu verringern bzw. zu vermeiden.

Nachhaltigkeit

Aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit sind PIWI-Rebsorten umweltfreundlicher. Sie kommen mit bedeutend weniger, je nach Klima sogar ganz ohne, Pflanzenschutzmittel aus. Dadurch werden Fauna und Flora viel weniger belastet als bei herkömmlichen Rebsorten. Durch die Reduktion von Pflanzenschutzmassnahmen vermindert sich zudem die Anzahl der Traktorüberfahrten, womit auch das Risiko der Bodenverdichtung kleiner wird.

Anbaumethoden

Ein Vergleich zwischen den beiden Anbaumethoden Bio- vs. integrierte Produktion ist in Bezug auf deren Nachhaltigkeit schwierig. Grund dafür sind die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen untersuchten Betrieben. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl). Es lässt sich letztlich nicht klar sagen, welche dieser Anbaumethoden ökologischer ist.
Die Forscher konnten aber ohne Zweifel feststellen, dass die Umweltauswirkungen von speziellen pilzwiderstandsfähigen Sorten bedeutend kleiner sind. PIWI-Sorten benötigen um ein Vielfaches weniger an Pflanzenschutzmitteln als herkömmliche Sorten. Gemäss der Studie weist Wein aus diesen Sorten deshalb eine um 21 bis 61 Prozent niedrigere Umweltbelastung auf. Bei guten klimatischen Bedingungen muss gar nicht gespritzt werden, bei schwierigen Verhältnissen bis höchstens dreimal pro Jahr. Mit herkömmlichen Sorten hingegen sind jährlich bis zu zehn Spritzungen nötig, um jeweils gesunde Trauben ernten zu können.

PIWI-Rebsorten können sowohl konventionell wie auch biologisch bewirtschaftet werden. Im Bio-Rebbau dürfen die Reben nur mit natürlichen Mitteln behandelt werden. Der Nachteil dieser Methode ist, dass die erlaubten Spritzmittel wie Kupfer und Schwefel weniger lang als synthetische Produkte wirken. Ein Bio-Rebbauer ist deshalb je nach Klima und Wetter gezwungen, sogar bis zu 15-mal pro Jahr für Spritzarbeiten auszurücken. Diese vor allem maschinell durchgeführten Spritzarbeiten ziehen den Boden in Mitleidenschaft und verursachen erhebliche Schadstoffemissionen.